Mai 2013: Aufbruchsstimmung in Kambodscha

Liebe Freunde,

eine solche Aufbruchstimmung hätte ich vor einem halben Jahr nicht für möglich gehalten. Samraong beginnt sich merklich zu verändern! Noch bei meinem vorangegangenen Besuch im letzten Herbst war das Rätseln groß. Wie schaffen wir es, den Menschen im Dorf so zu helfen, dass sie ihr Leben selbst zu verbessern imstande sind? Und Ende März, also nur ein knappes halbes Jahr später, konnte ich meinen Augen kaum trauen. Am Dorfrand sind Bohnenfelder entstanden. Allen voran Sarat (rechts im Bild), der junge Familienvater, den wir im Oktober ins Krankenhaus gebracht hatten, wo man ihm durch eine Notoperation am Darm das Leben rettete, zählt zu denen, die sich und ihren Familien nun neue Einkommensquellen erschließen. Ein zinsloser Kredit aus Ihren/Euren Spenden hat die Anschaffung einer Wasserpumpe ermöglicht, mit der er ohne große Mühen seine Felder bewässern und so auch in der Trockenzeit Bohnen ernten kann, um sie auf dem Markt zu verkaufen. Andere Familien haben ebenfalls um Kredite gebeten, etwa zur Existenzgründung oder zum Kauf eines motorgetriebenen Pfluges. Die Modalitäten dafür werden von den Verantwortlichen des Jesuit Service mit den betreffenden Familien derzeit noch ausgehandelt. Es geht aufwärts mit Samraong, das wurde dieses Mal deutlicher denn je. Als ich Ende 2010 zum ersten Mal dorthin kam, gab es nichts außer großer Not. Heute gibt es eine Schule mit derzeit sogar drei Lehrkräften, etliche Familien verfügen über ein neues Haus – allein heuer wurden bereits fünf gebaut, sehr zur Freude der Bewohner – und die Menschen beginnen, Eigeninitiative zu entwickeln. Ich kann Ihnen und Euch allen gar nicht genug danken für die viele Unterstützung, die all das möglich gemacht hat! Welch ein Segen!

arzt-kambodscha

Ein Segen bei meinem jüngsten Aufenthalt in Kambodscha war auch Dr. Christoph Schmied,der mich wie angekündigt begleitet und in Samraong sowie einem Nachbardorf unentgeltlich mehr als 50 Patienten behandelt hat. Viele von ihnen konnten wir mit Medikamenten versorgen, einige mussten wir zur Untersuchung bzw. Weiterbehandlung an ein Krankenhaus verweisen. Vor allem drei Fälle einer aggressiven und in den Tropen recht häufigen Augeninfektion, die schnell zur Erblindung führt, machten uns dabei Sorgen. Andere Beschwerden allerdings waren den bei uns in Deutschland auftretenden sehr ähnlich. Kniegelenksarthrosen, (altersbedingter) Bluthochdruck oder Schilddrüsenüberfunktion etwa plagen auch die Menschen in Kambodscha. Und alle von ihnen waren sehr froh und dankbar, endlich einmal einen Arzt konsultieren zu können. Dr. Schmied sowie Christiane und Thomas, den beiden Regensburger Medizinstudenten, die uns ebenfalls zur Seite standen, möchte ich an dieser Stelle ganz herzlich für ihren Einsatz danken! Ihr wart klasse!

Sehr erfreuliche Neuigkeiten gibt es auch aus anderen Ecken der Provinz Siem Reap. Das Schulzentrum im Dorf Thepdey, bestehend aus Grund- und Mittelschule, wird aus Ihren/Euren Spenden derzeit um ein weiteres Gebäude mit drei Klassenzimmern erweitert (im Bild der Spatenstich am 1. März). Mit Beginn des nächsten Schuljahres im Oktober wird es als Gymnasium (High School) dienen und damit den über 1000 Schülerinnen und Schülern in Thepdey – sie kommen aus zahlreichen umliegenden Dörfern – die Chance auf eine höhere Schulbildung eröffnen. Das bislang nächstgelegene Gymnasium in der Distriktshauptstadt Puok ist für die meisten Jugendlichen vor allem in der Regenzeit unerreichbar, so dass die Einweihung des neuen Gymnasiums schon sehnlichst erwartet wird. Der Schulleiter, das Lehrerkollegium und auch der Gemeindevorsteher zeigten sich bei meinem Besuch sehr glücklich über den bereits begonnenen Neubau. Ein eigens gegründetes Schulbaukomitee begleitet zusammen mit dem Jesuit Service die Bauarbeiten, und alle von der künftigen Schule profitierenden Gemeinden haben für den Unterbau Füllmaterial beigesteuert – ein deutliches Zeichen dafür, welche Bedeutung sie der Schule beimessen!

wasserfilterEin großes Anliegen ist den Verantwortlichen die Versorgung der Schule mit sauberem Trinkwasser. Der benötigte Bedarf wird aus einem mit Regenwasser gefüllten Teich über einen einzigen, viel zu kleinen Wasserfilter gewonnen, an dem sich oft lange Schlangen von durstigen Schülern bilden. Die mehr als berechtigte Bitte um die Finanzierung einer ausreichend großen Wasserfilteranlage wird spätestens zur Eröffnung des Gymnasiums im Oktober erfüllt sein. Im nächsten Jahr soll dann noch ein Wohnhaus für bis zu fünf Lehrkräfte folgen, die oft aus entfernten Provinzen stammen und eine bezahlbare Unterkunft vor Ort benötigen.

Die Arbeit in Kambodscha geht also nicht aus, wie Sie sehen/Ihr seht. Obwohl die Stadt Siem Reap aufgrund der Tempel von Angkor von jährlich mehr Touristen besucht wird und alle nur erdenklichen Annehmlichkeiten bereit hält, leidet die Provinz Siem Reap großen Mangel. Sie zählt zu den beiden ärmsten des Landes, und in vielen abgelegenen Dörfern fehlt es am Nötigsten.
Srey Mom, die unermüdliche Koordinatorin des Jesuit Service Siem Reap, hat mich über Wege, die in der bald einsetzenden Regenzeit völlig unpassierbar sein werden, nach Srai Samot im Distrikt Varin gebracht. Sie will dort ein Gemeindeentwicklungsprogramm beginnen, das auch den Ausbau der vorhandenen Schule umfassen soll. Ihre Hoffnungen sind groß, dass ich den Jesuit Service dabei erneut unterstützen kann.

Ihr/Euer
Thomas (Tom) Rigl